Projektbeschreibung "Grüne Apotheke" - Zona da Mata

 

Leben und Gesundheit der Kinder und der Gemeinschaften der Landlosenbewegung
in der Zona da Mata – Minas Gerais

Beschreibung des Trägervereins

Der regionale Verein der landwirtschaftlichen Kooperation der Zona da Mata in Minas Gerais (ARCA-ZM) ist ein gemeinnütziger Verein mit eigenen Statuten, der aus den Familien der Ansiedlung Olga Benário und des Camps Denis Gonçalves besteht, beides Gemeinschaften der Landlosenbewegung.

Geschichte der Landlosenbewegung

Die Landlosenbewegung in Brasilien (MST) hat ihre Gründerperiode in den Jahren zwischen 1979 und 1984 durchgemacht und wurde offiziell am 24 Januar 1984 in Cascavel – Staat Paraná - gegründet. Das brasilianische Grundgesetz von 1988 garantiert im Artikel 184 die Enteignung von Ländereien durch die Union, auf Grund sozialen Interesses, gegen angemessenen Schadenersatz. Im Artikel 186 heißt es, dass die soziale Funktion der Ländereien erfüllt ist, wenn das Anwesen ihre rationale und angemessene Verwendung garantiert und gesunde, für alle zugängliche Nahrung produziert und wenn sie die Bebauung garantiert, die allen, die auf ihm arbeiten, ein angemessenes Leben ermöglicht. Im Kampf um die Landverteilung, werden Großgrundbesitze, die nicht genutzt werden, von landlosen Kleinbauern besetzt und die Freigabe für die Landreform gefordert. Heute sind in Brasilien
370 tausend Familien in Landlosen-Siedlungen (den sogenannten “Assentamentos”) auf 7,4 Millionen Hektar angesiedelt, wo sie gesunde Nahrung für Millionen von Menschen anbauen.
Die Landlosenbewegung (MST) zählt auf eine außerordentlich gute Organisation und Gemeinschaftsbildung, die den Kleinbauern Schulung und Ausbildung vermittelt, welche die historischen und kulturellen Hintergründe des Landes berücksichtigt. Durch diese Arbeit wird versucht, die Menschen auf dem Land anzusiedeln und zu halten, indem sie eine menschenwürdige Arbeit und Lebensqualität garantiert. Die MST versteht auch, dass der Kampf der Kleinbauern eine wichtige Rolle bei der Wandlung der sozialen Realität Brasiliens hat und so zur Verbesserung der Lebensqualität in den Ballungszentren beiträgt, vor allem, was den Zugang zu gesunder Nahrung angeht.

Vorstellung des Projektes

Das vorliegende Projekt hat zum Ziel, Landarbeiterinnen und Kleinbäuerinnen zum Umgang mit Heilpflanzen und zur Herstellung von Naturheilmitteln anzulernen. Außerdem sollen Gemeinschafts-Heilkräutergärten und -Pflanzenschulen angelegt werden, in denen die Heilpflanzen zum Verkauf von Setzlingen und zur Produktion der Naturheilmittel gezogen werden sollen. Die Produktion von Naturheilmitteln, wie Tees, Hustensäfte, Salben und Tinkturen wird in den “Grünen Apotheken” (farmácia viva) stattfinden. Zusätzlich zu der Arbeit mit den Frauen soll ein Projekt mit den Kindern der beiden Gemeinschaften begonnen werden. Die Kenntnisse über Botanik, Umwelt, Hygiene und Landanbau sollen den Kindern auf spielerische Weise, im Umgang mit der Natur, vermittelt werden. Wir sehen die Kinder als Multiplikator dieser Arbeit und als wichtige Figuren im Prozess der Landreform und der gesunden und gleichberechtigten Entwicklung auf dem Lande. Der Arbeitsvorschlag hat zum Ziel, die Diskussion über die Notwendigkeit der Gesundheitsfürsorge zu vertiefen. Dieses soll durch gesunde Praktiken, wie den Umgang mit Heilpflanzen, Umweltbewusstsein, Verbreitung von Volkskenntnissen über Naturheilmittel, sowie durch die Schulung zur Produktion und zu deren Verkauf geschehen, damit den Familien der Siedlung und des Camps ein Einkommen gesichert werden kann. Dieses soll zu ihrer Unabhängigkeit beitragen.

Allgemeine Zielsetzungen

Bildungsprozesse bei Kleinbauern und deren Kindern einleiten, über Gesundheit, Umwelt und gesunde Praktiken, durch den ökologischen Anbau von Heilpflanzen und ihre Verwendung in Naturheilmitteln, die zum Verkauf hergestellt werden sollen. Dieses soll zur Verbesserung der Lebensqualität der Gemeinschaften und zur besseren Versorgung der Kinder in den Gemeinden beitragen, Einkommen schaffen und die Selbständigkeit der Frauen fördern.

Spezifische Zielsetzungen

  • Schulung über das Volkswissen über Heilkräuter und über den Umgang mit Heilpflanzen und deren Kultivierung und die Manipulation von Naturheilmitteln
  • Ausbildung über den Umgang mit dem Erdboden und über den ökologischen Anbau von Heilkräutern
  • Schulung zum Gebrauch von Heilkräutern und Naturheilmitteln, und zu Gesundheits-Basis-Aktionen
  • Ausbildung über den Verkauf von Naturheilmitteln und Mechanismen, um zu lokalen und regionalen Absatzmärkten Zugang zu bekommen
  • Anpflanzen von Heilkräutergärten
  • Einrichten von Heilkräuter Pflanzenschulen (Ziehen von Setzlingen für den Heilkräutergarten und zum Verkauf), wobei auch die Kinder der Gemeinschaften und Gemeinden in erzieherischen Momenten mit einbezogen werden sollen
  • Bauen und Einrichten von „Grünen Apotheken“ in den vom Projekt betroffenen Gemeinden, wo die Naturheilmittel produziert werden sollen
  • Erzeugen von systematisiertem Material zur Verbreitung der entwickelten Arbeit
  • Kurse zu Umwelterziehung, Landarbeit und Gesundheitserziehung für Kinder und Jugendliche in den Gemeinden
  • Herstellen von Naturheilmitteln, Tees, Hustensäfte, Salben und Tinkturen für den Gebrauch in den Gemeinden und zum Verkauf
  •  Einkommensschaffung für die Landarbeiterinnen durch den Verkauf der hergestellten Produkte
  • Verfestigung der Gemeinschaften im Zusammenleben mit den umliegenden Gemeinden und in ihrer Wahrnehmung über Gesundheit und Gesundheitspraktiken.

Aktivitäten

Während der Ausführung des Projektes sollen Ausbildungs- und Schulungs-Aktivitäten entwickelt werden, in denen die Gesundheitsfürsorge diskutiert wird, wobei die Theorie und die Praxis nicht voneinander losgelöst sein sollen. Es sollen Seminare und Treffen realisiert werden, um die Gesundheitsfürsorge und gesunde Lebensweise zu erörtern. Die Kenntnisse über Heilpflanzen sollen verbreitet werden. Außerdem sollen Heilkräutergärten und Heilpflanzen-Schulen als auch „Grüne Apotheken“ (zur Herstellung von Naturheilmitteln) in beiden Gemeinschaften eingerichtet werden. Gleichzeitig sollen die durch die Frauen hergestellten Produkte in den Gemeinden verkauft werden.

Etappen

Das Projekt wird seinen Anfang durch die vorbereitenden Versammlungen mit den Frauen des Kollektivs der beiden Gemeinschaften nehmen, zu denen auch Frauen aus den umliegenden Gemeinden eingeladen werden sollen. Die Absicht dieser Versammlungen ist, die Kollektive zu organisieren, damit die Arbeit begonnen werden kann; außerdem soll ein Arbeitsplan für jede Gemeinschaft in diesen Versammlungen erstellt werden. Nach der Aufstellung des Arbeitsplanes, sollen die Schulungskurse beginnen, die etwa alle zwei Monate in jeder der Gemeinschaften stattfinden und jeweils eine Dauer von 8 Stunden haben werden. Die Anpflanzung der Kräutergärten und Pflanzen-Schulen werden nach den ersten beiden Kursen beginnen und die Arbeit in den „Grünen Apotheken“, die der Produktion der Naturheilmittel und deren Verkauf dienen sollen, wird nach der Beendigung des 4. Kurses erfolgen. Kräutergärten und Pflanzen-Schulen sind Aktivitäten, die eine große Bedeutung für die weiteren Etappen haben werden, da die Verwirklichung und die Kontinuität dieses Arbeitsplanes (Projektvorschlags) von ihrer Ausführung abhängen.

 Überwachung, Auswertung und Kostenabrechnung

Die im Projekt entwickelten Tätigkeiten sollen vom Trägerverein begleitet werden. Das wird durch Teilnehmerlisten, schriftliche Berichte, Produktion von Schulungsmaterialien, Fotos, u.a. geschehen. Die Abrechnungen mit dem Förderverein wird durch halbjährliche Einreichung der Belege erfolgen, sowie durch Berichte über die Aktivitäten mit Fotos. Alle Aktivitäten werden anschließend von den Beteiligten dieses Prozesses, unter Berücksichtigung der Zielvorstellungen, beurteilt.

 Kontinuität

Durch die Schaffung von Einkommensmöglichkeiten, die Erwerbung von Kenntnissen der Frauen und die systematische Begleitung des Trägervereins wird erwartet, dass diese Arbeit sich auf längere Sicht selbst trägt. Deshalb heben wir die Notwendigkeit der Konsolidierung der Gärten, der Pflanzen-Schulen und der „Grünen Apotheken“ hervor, die wichtige Punkte zur Realisierung der Einkommensschaffung sind. Die Schulungen und Seminare sollen fortlaufend angeboten werden, damit weitere Gemeindemitglieder, sowohl auf lokaler, als auch auf regionaler Ebene mit einbezogen werden können, neue Partnerschaften geschlossen werden können und die Thematik weiter verbreitet werden kann.